"Zu Gast bei..." wird eine unregelmäßig wiederkehrende Homestory sein, wo meine Wenigkeit Prominente, aber auch einfache Menschen aus dem Leben "würg" aufsuchen wird. Vielleicht
bin ich ja auch mal bei einem meiner treuen Leser zu Gast sein. Im Übrigen: Wer diese Rubrik ernst nimmt, dem ist nicht zu helfen.
Der Anfang dieser pfiffigen Idee bzw. Serie wird ein Mann machen, der sich in den letzten Tagen wieder sehr rar gemacht hat in der Öffentlichkeit und sich temporär, zur Reha, in Argentinien
aufhielt, mittlerweile aber wieder in seiner 3 Zimmer Altbauwohnung in Berlin-Neukölln aufhält. Der aufmerksame Leser meiner Plattform weiß sicherlich schon, wen ich da aufgesucht habe.
Es war ein sonniger Morgen. Das Treffen war für Punkt 8:30 Uhr angesetzt. Für mich leicht irritierend, da mein Gastgeber dafür bekannt ist, eher ein Langschläfer zu sein. Als ich ich in seine
Straße einbog, winkte er mir schon im Morgenmantel vom Balkon aus zu, stürmte dann in die Wohung und drückte den Summer bis ich schließlich seine Wohung im dritten Stock erreichte. Dort
empfing er mich mit offenen Armen, aufgedreht und sehr freudig. Der Reichskanzler a.D. ist für seine 118 Jahre noch sehr agil.
Wie es in seiner Natur liegt, machte der Pensionär erstmal eine Führung durch seine sehr geräumige Wohung, die schließlich auf dem Balkon endete, an einem Reich äh reich gedeckten Tisch. Da gab
es Lachs, Baguette, feinsten Käse aus Frankreich, Grapefruit-Saft und grünen Tee - all das gepaart mit einer zünftigen Portion Wiener Schmäh.
"Wissen sie junger Mann eine gesunde Ernährung, früh aufstehen und Bewegung in allen Variationen ist das Geheimnis meines Alters, das Geheimnis meiner Jugend. Deshalb habe ich gesagt: Mensch Adi,
Du kannst doch mit deiner Power noch nicht zum alten Eisen zählen. Deshalb entschied ich mich den Job im Wachsfigurenkabinett anzutreten."
Er monologisierte weiter über seine Tätigkeit: Ursprünglich sollte er die Führungen im Berliner Tussaud-Ableger übernehmen, wurde dann aber direkt für seine jetzige Tätigkeit als Darsteller
engagiert. "Ich muss einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben", sagte der berufliche Nimmersatt mit einem gewissen Stolz. Sein Tagesablauf ist seit dem wie folgt: 6 Uhr aufstehen,
Frühgymnastik, ein ausgeprägtes Frühstück, mit dem Rad zur Arbeit, dabei immer ein Lied auf den Lippen (sein Favorit: "My Way" von Frank Sinatra...gerade die Zeile "I did, what I had to do"
hat es dem gebürtigen Braunauer sehr angetan...), im Museum angekommen folgt erstmal eine Lagebesprechung bis sich der Vollblut-Politiker schließlich ab 10 Uhr an seinen Schreibtisch setzt, um
die Massen, die nun in das Kabinett stürzen zu unterhalten. "Dieses starre Rumsitzen ist eine echte Herausforderung". Gegen Abend geht es dann wieder heim, natürlich mit dem Rad und dem Gefühl
etwas sinnvolles getan zu haben. Vor dem Schlafen gehen entspannt der ewig junge Greis noch bei einem Gläschen Rotwein und seiner Lieblingssendung "Galileo". "Man lernt nie aus junger Mann,
merken Sie sich das."
Angesprochen auf die politische Elite, die derzeit die Geschicke unseres Landes lenken, brach der passionierte Postkartenmaler in schallendes Gelächter aus. "Wössen sie, diese Merkel hätte bei
mir früher nicht mal das Klo putzen dürfen. Ich musste lernen: Die Demokratie ist das richtige System. Nöcht aber mit diesen Witzfiguren."
Das Attentat, das vor kurzem auf ihn verübt wurde, hält er für überschätzt: "Wissen sie junger Mann, ich war schon zu Jugendzeiten ein kleiner Lausbub und später sicherlich auch nicht Ohne. Ich
schätze dieses Feuer mit dem dieser Herr seine Ziele verwirklichen wollte. Da erkenne ich mich wieder."
90 Minuten ging die Stippvisite beim gesundheitsbewussten Wien-Liebhaber, der in kürze wieder seine Arbeit im Wachsfigurenkabinett antreten wird. Er verabschiedete sich mit den Worten: "Passen
sie auf sich auf..."
Hiermit sei die Akte X für immer geschlossen. Ich hoffe, dass dies die Berufskokser, Pseudo-Journalisten und Hinterbänkler mit porösem Resthirn (Danke Herr Schmidt!) ebenso tun werden...
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