Der SV Darmstadt 98 wurde am 22. Mai von
der Familie Ensgraber gegründet. Gründungsort ist der Schlossgartenplatz im Martinsviertel, einer der schönsten Wohngegenden in Darmstadt. Wie viele Vereine zu dieser Zeit, so hieß auch der SV 98
zu dieser Zeit anders. Durch Fusionen mit anderen Vereinen entstand im November 1919 schlussendlich der SV Darmstadt 98. Die Wurzeln gehen aber auf 1898 zurück.
Das Stadion am Böllenfalltor entstand schon 1921 mit 8.000 Plätzen und wurde dem Erfolg angepasst peu a peu auf 32.000 Plätze ausgebaut. Heutzutage dürfen aus Sicherheitsgründen allerdings nur
noch 19.000 Zuschauer ins Stadion. Eine Sanierung bzw. ein Neubau wird zu jedem Wahlkampf versprochen. Die Stadt, die seit Ende der 1980er Eigentümer des Stadions ist, wird mittelfristig
aber nicht um entsprechende Maßnahmen rumkommen. Zumal der Verein mittelfristig auch einen Aufstieg in die 3. Bundesliga anstrebt. Da werden Auflagen auf den Verein zukommen bzw. auf den
Stadionbetreiber, die eines Umbaus bedürfen.
Der erste große Erfolg glückte den Lilien im Jahre 1950. In dieser Saison stiegen die 98er in die Oberliga Süd auf. Dort waren sie zwar nur ein Jahr Mitglied, allerdings stellte diese Klasse
damals die höchste deutsche Spielklasse dar. Der SV 98 war also zu dieser Zeit das erste Mal erstklassig. Mit 54:86 Toren und 25-43 Punkten landete man 3 Punkte hinter dem SV Waldhof Mannheim auf
einem Abstiegsplatz. Kleine Randbemerkung: Damit die Lilien in die dann erfolgreich gestaltete Aufstiegsrunde zur Oberliga Süd überhaupt kommen konnten, wurde Viktoria Aschaffenburg am
heimischen Böllenfalltor vor 12.000 Zuschauern mit 3:2 besiegt. Dies ist aus meiner Sicht insofern etwas besonderes, als dass die Viktoria zu dieser Zeit, sprich zwischen 1950 und 1960 desöfteren
in der höchsten deutschen Spielklasse zu finden waren ( Deutsche Traditionsvereine Teil 1 - Viktoria Aschaffenburg
).
Seit Ende der 60er gehörte der Verein schließlich bis zum Jahre 1993 kontinuierlich der zweithöchsten deutschen Spielklasse an, zwischenzeitlich gar der Bundesliga (Ende der 70er, Anfang der 80er
Jahre). Die große Zeit der 98er dürfte in den 70er Jahren zu sehen sein. 1973 wurden die Lilien süddeutscher Meister und verpassten nur knapp in der Relegation den Aufstieg in die 1. Bundesliga.
Zudem schlugen sie in dieser Zeit ihren großen süddeutschen Rivalen, den 1. FC Nürnberg, mit 7:0. Die Aufstiegssaison 1977/78 wurde mit einer Serie von 33:5 Punkten in der Rückrunde auf
Tabellenplatz 1 beendet. Mit 58:18 Punkten standen die Lilien 5 Punkte vor dem Cluberern und 9 Punkte vor dem FC Homburg. Die Torebilanz war mit 90:43 Toren sehr beeindruckend. Trotz einem
spielerisch sehr überzeugenden Bundesliga-Jahr, stiegen die Lilien als Tabellenletzter wieder ab. Problem: Die Spieler waren nur Halbprofis und somit bis zum Nachmittag in ihren Berufen tätig und
dann als Bundesligafußballer im Training. Ein Konzept, das kaum anders zu bewerkstelligen war, schlussendlich dem Team aber das Genick brach. In der Saison 1980/81 glückte ein
weiteres Mal der Aufstieg ins Oberhaus. Die Lilien postwendend wieder ab und standen vor finanziellen Problemen. Schon 1977 war der Schuldenstand bei 1,4 Millionen Mark. In der Saison 1982/83
schließlich rüstete der Verein zum Ziel Wiederaufstieg noch mal richtig auf. Mit Ludek Macela und Zdenek Nahoda (Europameister 1976) wurden zwei Nationalspieler der CSSR verpflichtet.
Schlussendlich gelang der Wiederaufstieg allerdings nicht und die finanziellen Sorgen wurden durch die Verpflichtungen nicht gerade kleiner.
Die Saison 1987/88 sollte dem Verein dann aber für lange Zeit endgültig das Gebick brechen. Nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz gegenüber dem FC St.Pauli erreichten die Lilien Platz 3
in der Tabelle. Damals bedeutete dies (übrigens auch wieder nächste Saison): Relegationsspiele. Der 3. der zweiten Liga, traf auf den 16. der Bundesliga. SV Darmstadt 98 vs. Waldhof Mannheim hieß
es in drei Parteien, die durch ein Elfmeterschießen entschieden werden mussten. Die Spiele wurden damals allesamt von Sat.1 übertragen. Im ersten Spiel am Böllenfalltor lagen die Lilien schon 0:2
zurück, drehten das Spiel aber noch auf ein 3:2. Da Entscheidunggspiel fand in Saarbrücken statt. Diese sehr erfolgreiche Saison bedeutete allerdings finanziell einen Genickbruch, da sich der
Schuldenstand anhäufte, das Stadion verkauft werden musste und der Verein Anfang der 90er ein Sanierungsfall war, der von Walter Grimm, der grauen Eminenz, und Uwe Wiesinger, wieder finanziell
auf Kurs gebracht wurde. Dies büßte man allerdings mit Platz 24 in der 46 Spiele umfassenden Mammut-Saison 1992/93 und somit dem Abstieg in die damals dritthöchste deutsche Spielklasse, der
Oberliga Hessen. Seit diesem Zeitpunkt befinden sich die Lilien nur noch in den Niederungen des Amateurfussballs und pendelten ab Ende der 90er gar zwischen Regionalliga Süd und der Oberliga
Hessen. Höhepunkte in der Zeit waren drei Derby-Siege bei Kickers Offenbach, das Erreichen des Pokalviertelfinales im Jahr 2001 gegen Schalke 04, die drei erfolreichen Jahre unter Bruno Labbadia
(ehemalige und bekannteste Lilie), aber auch der direkte Wiederaufstieg aus der Oberliga Hessen 1999.
Trauriger Höhepunkt: Der Abstieg vorletzte Saison, der eine Zerreissprobe für die gesamte Fangemeinschaft darstellte und der Insolvenzantrag, für den das neue Präsidium um Hans Kessler, das im
September 2007 antrat und dem Verein eine neue Perspektive schenkte,Verantwortung übernehmen musste. Urheber der Situation war allerdings das alte Präsidium.
Trotz finanziell eh angespannter Lage, konnten Trainer Gerhard Kleppinger (sicherlich die erfolgreichste Lilie nach Bruno Labbadia; unter anderem Olympia-Teilnehmer für das deutsche
Team) und Sportdirektor Tom Eilers (ehemaliger Lilien-Torhüter), ein schlagkräftiges Team zur Saison 2007/08 zusammenstellen, das mit Bravur die Qualifikation zur neuen Regionalliga
erreichte. Durch diverse Aktionen ist der Verein auch auf gutem Wege die Insolvenz vom Tisch zu bekommen.
Der Verein steht aus meiner Sicht vor einer großen Zukunft. Die Strukturen werden immer professioneller und mit Kleppinger/Eilers hat man ein sportliches Duo, das aus begrenzten Mitteln, eine
homogene Truppe zusammenstellen kann.
Zu diesen Erfolgen...
- Hessenmeister: 1950, 1962, 1964, 1971, 1999, 2004, 2008
- Süddeutscher Meister: 1973
- Meister der 2. Bundesliga-Süd, Aufstieg in die 1. Bundesliga: 1978, 1981
- Hessenpokal-Sieger: 1966, 1999, 2001, 2006, 2007, 2008
...dürften sich dann weitere hinzugesellen...
In diesem Sinne: I`m Darmstadt til I die!
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