Hui, da fasst ja dieser schwer charismatische Frischling ein ganz heißes an. Angeregt wurde er, also ich, durch den Artikel bei Spiegel-Online, der sich kritisch mit dem geringen
Einfluss der Blogger-Szene in Deutschland auf Politik und Gesellschaft auseinandersetzt. Stefan Niggemeier vertritt die Meinung und da gehe ich mit ihm konform, dass die Streitkultur in
Deutschland nicht sonderlich ausgeprägt sei. Dazu kommt ebenso, dass die Medienkultur in Deutschland, zumindest aus Sicht der Verbraucher, eine andere ist, als bspw. in den USA. Blogs boomen dort
ja, vor allem eben auch politische Blogs, weil die Bevölkerung bspw. hinsichtlich des Irak-Krieges von den etablierten Medien schlichtweg angelogen wurden. Ich schreibe bewusst, dass dies der
Verbraucher hierzulande anders sieht, faktisch ist es nicht viel anders. Wir werden nicht direkt belogen. In der Regel wird aber nur an der Oberfläche gefischt und bestimmte Wahrheiten
schlichtweg ausgeklammert. Das aber nur als Randbemerkung. Zurück zur Behauptung Niggemeiers. Wenn ich mir die Blogs bspw. hier auf dieser Plattform so anschaue, sind die erfolgreichen in der
Regel diejenigen, die nichts Kontroverses bieten, sondern mehr informieren. Das hat natürlich seine Berechtigung und auch Substanz, zudem muss auch jeder Blogger Themen aufgreifen, mit denen er
sich identifiziert. Ich persönlich finde es aber schade, dass es neben diesen Blogs nur Wenige gibt, die sich kritisch mit dem auseinandersetzen, was in
Deutschland gesellschaftspolitisch passiert. Ob mein Stil da der Richtige ist, weiß ich nicht. Schlussendlich ist es aber mein Stil, den ich auch ganz bewusst so pflege. Substanz wie
hochpolitische und sehr erfolgreiche Blogs in Amerika kann ich nicht bieten. Das war, ist und wird aber auch nie mein Anspruch sein. Mich persönlich beeindruckt nur die
Kontroverse und ich finde, dass eine Gesellschaft auch nur über diese wachsen und gedeihen kann. Für mich ist diese Plattform hier eine der letzten gebliebenen demokratischen
Partizipationsmöglichkeiten. Ich kann meiner Meinung Ausdruck verleihen und erreiche damit deutlich mehr Menschen, die vielleicht mal über das ein oder andere nachdenken, als dies im Alltag
möglich ist. Der Alltag frisst viele dieser Gedanken auf: WIr müssen arbeiten, Haushalt führen, Kinder großziehen, Beziehungen pflegen, Das gehört zum Leben, verhindert aber auch oftmals sich
kritisch mit sich selbst und seiner Umgebung auseinanderzusetzen. Meine Grundthese ist, dass dies politisch auch so gewollt ist. Jemand, der sich um seine Existenz sorgt, wird weniger nachhaltig
die Menschen an den Hebeln der Republik in Frage stellen bzw. die korrupten Strukturen, die sich dahinter verbergen. Dafür hat diese Person keine Zeit und auch keinen Kopf, was auch völlig
verständlich ist.
Was will ich jetzt eigentlich? Ich wünsche mir neben den bestehenden Blogs, die, das möchte ich noch mal ausdrücklich betonen, ihre Qualitäten haben und die Szene durchaus
voranbringen, mehr neue, stark kontroverse und gesellschaftskritische Blogger, die Lust auf Krawall an der Schmerzgrenze haben. Dafür fehlt den Deutschen aber aus meiner Sicht ein Stück weit
Selbstironie und ein Gespür für Sarkasmus, der ja schlussendlich nur aufzeigen soll, was leider Gottes status quo in unserem Lande ist.
In diesem Zusammenhang interessiert mich aber auch die Meinung meiner Leserschaft. An dieser bin ich immer interessiert, in diesem Fall aber noch mal im Besonderen...
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