Ich habe eigentlich überhaupt nichts mit der Formel 1 oder dem Motorsport generell am Hut, allerdings verleitet mich die derzeitige Debatte dazu den Fall "Mosley" bzw. den Umgang damit zu
kommentieren.
Was ist passiert?
Einem englischen Boulevardmagazin wurden pikante Aufnahmen einer Sexorgie zugespielt, die Mosley bei etwas außergewöhnlichen Spielchen mit Prostituierten zeigen. Nazi-Uniformen waren dabei
auch im Spiel und wohl auch Uniformen von KZ-Gefangenen.
Womit ich auf der einen Seite konform gehe ist die Tatsache, dass solche Aufnahmen für einen Präsidenten des internationalen Automobilverbandes, sprich für eine Person des öffentlichen Lebens,
die dazu noch in einer repräsentativen Position tätig ist, mehr als unvorteilhaft sind. Dass damit der Motorsport generell Schaden nimmt, bezweifle ich allerdings. Fans werden sich nicht abwenden
und Sponsoren sind in diesem Bereich fast austauschbar, sofern da überhaupt reagiert würde.
Die andere Seite der Medaille ist nämlich auch und für mich entscheidend: Es ist sein Privatleben. Sexuell sind diese Praktiken de facto abnorm (wer sich dadurch jetzt angegriffen fühlt,
sollte sich mit dem Begriff in diesem Kontext auseinandersetzen...das ist keine Abwertung, sondern vielmehr aus der Sexualwissenschaft heraus eine Tatsache...), allerdings wurde da niemand zu
irgendwas gezwungen. Insofern war dieser Vorgang an sich völlig okay. Die Uniformen in diesem Kontext machen das Spiel nicht weniger perfide, sagen aber auch nichts über die politische Haltung
aus.
Seinen Rücktritt zu fordern im Hinblick auf die Außenwirkung des Verbandes, wäre noch nachvollziehbar. Moralisch den Stab über ihm zu brechen, ist aber schlichtweg heuchlerisch. Wer
sich entsprechende Angebote im Internet anschaut, die Augen und Ohren offenhält und natürlich auch eigene Erfahrungen macht, weiß, dass die Praktiken eines Herrn Mosley nicht mal
so außergewöhnlich sind. "Außergewöhnlich" im Sinne dessen, was die Masse sexuell praktiziert. Gerade das Establishment, was leider kein Vorurteil ist, lebt bestimmte Dinge sehr
exzessiv aus, verliert das Maß. Das war aber in keiner Epoche anders. Heute findet nur alles Öffentlicher statt, was unter anderem ein zweifelhafter Verdienst des Kampfes der
68er für mehr Freiheit (auch sexueller Freiheit) war.
Um nicht zu sehr vom Thema abzukommen: Aus meiner Sicht soll und muss Mosley im Amt bleiben. Sollte er politisch zweifelhaft sein, wäre das nur dann ein Problem, wenn er sein Amt
entsprechend missbrauchen würde. Seine Sexualität ist ihm allerdings nicht vorzuwerfen. Sollte er darüber stolpern, wäre das nur eine weitere Episode im Hinblick auf Heuchelei und
Doppelmoral, die der westlichen Welt so extrem anhängt.
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