Mittwoch, 1. april 2009 3 01 /04 /2009 15:07

Stellungnahme des Fanverein Darmstadt 98

Zum Polizeieinsatz rund um das
Regionalligaspiel Hessen Kassel – Darmstadt98 am 26.03.2009 im Kasseler Auestadion

Wie man den Medien sowie dem Polizeibericht entnehmen konnte, kam es anlässlich des o.g. Fußballspiels in Kassel zu „Ausschreitungen“, bei denen eine Polizistin leicht verletzt wurde. Der Polizeibereicht, sowie die Medien sprechen davon, dass auch von Darmstädter Fans Gewalt ausgegangen sein soll.

Zu diesen Vorwürfen will der Fanverein Darmstadt 98 als Sprachrohr der Lilienfans hiermit Stellung beziehen, sowie die breite Öffentlichkeit und die Führungsebene der Polizei auf das indiskutable und völlig überzogene Verhalten der eingesetzten Polizeibeamten aufmerksam machen.

Hessen Kassel schaffte es schon in der ersten Halbzeit eine deutliche 3:0 Führung heraus zu
schießen. Den Toren folgte stets ein ausgelassener Jubel der Kasseler Spieler Bauer und Wölk, die sich jedes Mal direkt vor den Gästeblock begaben, um dort mit Gesten und dem Zeigen von Kasseler Fan-T-shirts zu
provozieren. Davon ließen sich auch die Besucher der neben dem Gästeblock liegenden, jedoch durch zwei Zäune und einen Graben getrennten, Sitzplatztribüne anstecken, um verbal gegen die Darmstädter Fans zu sticheln. Nach dem dritten Kassler Tor orientierte sich ca. ein Dutzend Fans des SV 98 innerhalb des umzäunten Gästebereiches in Richtung der Absperrung zur genannten Tribüne, traten an den Zaun bzw. rüttelten an diesem und warfen einen Getränkebecher aus weichem Material, der es nur wenige Meter in Richtung des angrenzenden Blocks schaffte. Der nächste Zuschauer saß ca. 20 Meter entfernt. Dieses Verhalten möchten wir keineswegs wegdiskutieren oder gar gutheißen.

Jedoch fällt es uns schwer die darauf folgende Reaktion der Polizeikräfte zu verstehen. Nüchtern betrachtet ließen dort eine Hand voll Übermütiger ihren kurzfristigen Wut an einer Absperrung aus. Eine direkte Gefährdung anderer lässt sich dank der modernen und sicheren Bauart des Gästeblocks selbst mit viel Phantasie nicht konstruieren. Sachschäden am Zaun konnten auch am Ende des Abends nicht festgestellt werden. Trotzdem schritt die Polizei rigoros ein, schubste auf dem Weg zum Geschehen ohne Rücksicht Unbeteiligte, Frauen und Kinder die Stufen hinab und zögerte keinen Moment unmittelbaren Zwang per Pfefferspray oder Schlägen gegenüber der größtenteils jugendlichen Übermütigen anzuwenden. Durch den unkontrollierten Einsatz des Pfeffersprays wurde die Gesundheit vieler unbeteiligter Lilienfans beeinträchtigt. Viele eilten direkt auf die Toiletten oder an
den Getränkestand um sich mit Wasser zum Ausspülen der Augen zu versorgen. Wir sind davon überzeugt, dass sich die Aufregung (insbesondere kurz vor der Halbzeitpause) innerhalb weniger Sekunden von selbst geklärt hätte. Eine Einschätzung, die der Einsatzleitung leider verwehrt blieb.

Dies versuchten Vertreter von Fanprojekt und Fanverein in der Halbzeitpause dem an den Zaun des Blocks geeilten Sportmangager des SV98, Herrn Rechtsanwalt Tom Eilers, sowie dem als „Communicator“ der Polizei gekennzeichneten Beamten Herrn Zuschlag vom Polizeirevier Kassel-Ost zu vermitteln. Dieses Gespräch wurde zwar emotional, jedoch ohne jede Bedrohung (was Herr Zuschlag im Nachhinein bestätigte, Kontaktdaten liegen
dem Fanverein vor) geführt. In dieses Gesprächs platzten nun mehrere Polizeibeamte, die ohne jeden erkennbaren Grund rabiat gegen die sprechenden Personen vorgingen, nicht vor Gewalt zurückschreckten und versuchten einzelne Personen in Gewahrsam zu nehmen, was ihnen in einem Fall auch gelang. Dies bezeichnen wir als absolut skandalösen Vorgang, schließlich muss man erwarten können mit einem als „Communicator“ gekennzeichneten Polizisten auch ungestraft kommunizieren zu können. Die beteiligten Personen waren weder
vermummt noch haben sie in irgendeiner Weise den „Landfrieden“ gebrochen – dies wurde spontan als Gründe für dieses Vorgehen vorgegeben. Auf Fragen nach Dienstnummer und Name der handelnden Polizisten folgten Antworten wie „Halt’s Maul“ oder „verpiss Dich!“, Fragende wurden die Treppen hinunter gezogen oder in den Schwitzkasten genommen.

Geschockt von diesen unerklärlichen Vorgängen verließ die Mehrzahl der ca. 250 angereisten Darmstädter Fans als Zeichen der Solidarität den Gästeblock, um hinter der Tribüne die Geschehnisse zu verarbeiten und das weitere Vorgehen zu besprechen. Als Herr Zuschlag vermeldete, dass der in Gewahrsam genommene Fan noch während der Spielzeit frei komme, entschloss man sich dem Spiel weiter schweigend beizuwohnen. In der Folge wurden zwei bengalische Feuer in einem leeren Bereich des Blocks auf dem Boden
gezündet.

Nach dem Spiel sammelten sich die Fans hinter dem Block, um zusammen den Gang zu den Bussen anzutreten. Hierbei kam es zu einer Streitigkeit zwischen zwei Fans der Lilien, bei der der eine den anderen kurz schubste.
Daraufhin ging ein dritter Fan dazwischen und schlichtete zwischen den beiden Streithähnen.
Trotzdem bewegte sich eine Gruppe von Polizisten auf sie zu und machte sich durch das Herunterklappen der Helmvisiere eindeutig kampfbereit. Das deeskalative Verhalten des Fanvereinsprechers Erik Eichhorn, der den
Beamten mit den Worten: „Wir sind dabei das Problem zu klären“ entgegen kam und so deutlich machte, dass ein Einschreiten nicht nötig sei, wurde ignoriert. Stattdessen wurden erneut unter Gewaltanwendung beide „Streithähne“, sowie selbst der Schlichter herausgerissen und festgenommen. Hierdurch erreichte die Polizei eine erneute Eskalation. Nach der nächsten Beruhigung ertönte aus den Polizeilautsprechern die Ansage: „Wir fordern Sie auf das Stadion umgehend zu verlassen. Dies ist die erste Durchsage!“, was sich angesichts der Abläufe an diesem Abend wie eine Drohung anhörte und nochmals die aggressive Grundeinstellung der eingesetzten Beamten unterstrich.

Leider müssen wir feststellen, dass die Polizei vollkommen überzogen gehandelt hat und als einzige Kraft im Stadion die Gesundheit von Menschen gefährdet hat. Weiterhin müssen wir eindeutig die unverständlichen Festnahmen kritisieren, die den jungen Fans im Stadion ein Weltbild mit der Polizei als „Freund und Helfer“ sicherlich verbauen. Wir fordern daher die Einsatzleitung zu einer Erklärung dieser Vorgänge auf. Weiterhin bitten wir den KSV Hessen Kassel im Falle von möglichen Stadionverbotsvergaben um Rücksprache mit dem Fanverein, um nicht nur der Polizei, sondern auch den Betroffenen die Möglichkeit zu geben zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

von PWAustin316 - veröffentlicht in: SV Darmstadt 98 - Community: Sport
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