Da hat sich doch die Bundesregierung was Feines ausgedacht: Langzeitarbeitslose sollen in eine Schulung, die 160 Stunden umfasst, und anschließend auf Altenheime losgelassen werden. Natürlich
nicht um Personal zu ersetzen, sondern vielmehr eine zusätzliche Unterstützung zu sein, um die adäquate Betreuung von alten Menschen, insbesondere Menschen mit einer einer demenziellen
Erkrankung, gewährleisten zu können. Ich arbeite seit über 6 Jahren als Pflegehelfer in einem Altenheim und werde bald in einem anderen Berufsbild im Sozialdienst eines Altenheims tätig sein,
habe entsprechend ein paar Anmerkungen zu machen.
1. Aus meiner Sicht muss eine solch belastende Tätigkeit adäquat bezahlt werden. Nicht mal hochqualifizierte Personen in diesem Arbeitsfeld werden entsprechend bezahlt. Diese Langzeitarbeitslosen
sogar noch deutlichst schlechter (soweit ich weiß wird das 1,-Euro Job behandelt). Jede Tätigkeit mit Menschen kann unglaublichen Spaß bereiten. Das würde ich in diesem Sektor, den ich mir ja
auch als Beruf ausgesucht habe, niemals in Frage stellen. Trotzdem ist es keine einfache Tätigkeit. Es ist eine Tätigkeit, die einer professionellen Einstellung bedarf und ein hohes Maß an
Empathie und Geduld verlangt. Es kann nicht jeder mit demenzerkrankten Menschen arbeiten. Sprich: Es werden wichtige Ressourcen hinsichtlich Sozialkompetenz abgefragt, die entsprechend honoriert
gehören.
Natürlich wird behauptet, dass nur geeignete Menschen in dieses Programm kommen. An einem der Standardsätze im Arbeitsamt "dann gehen sie doch in die Altenpflege", wird aber deutlich erkennbar,
dass dieses Vorhaben nur qualifizierte Langzeitarbeitslose dafür zu gewinnen, zumindest mal in Zweifel zu setzen ist.
2. Ich bin der Meinung, dass ein Langzeitarbeitsloser dies mit einer entsprechenden Schulung und professioneller Anleitung innerhalb eines Heims, alles leisten kann, sofern er faktisch diese
Ressourcen mitbringt. Allerdings halte ich solch eine Ausbildung für eine gefährliche Entprofessionalisierung der Pflege- und Sozialberufe, die eine entsprechend fundierte Ausbildung mit sich
bringen. Natürlich sollen auf dem Papier die so geschulten neuen Mitarbeiter keine festen Mitarbeiter ersetzen. Wie aktuell aber auch deutlich wurde, anhand einer entsprechenden Untersuchung, die
die Gerichte noch beschäftigen wird, haben viele Ein-Euro Jobber in Einrichtungen faktisch feste Mitarbeiter ersetzt.
3. Aus meiner Sicht ist dies eine weitere Absturz in der Spirale der Sozialberufe. Dieses Programm macht deutlich, dass das gesellschaftliche Mandat, das die Politiker stellvertretend für das
Volk ausüben, für diese Berufssparte mehr als gering ist. Ein gesellschaftliches Mandat zeigt sich nicht nur den Auftrag, der an die Heime gegeben wird, sondern auch an dem finanziellen
Rahmen, der den Professionellen zur Verfügung gestellt wird. Der ist entsprechend gering und aus meiner Sicht wird das durch diese Projekte auch nicht besser. Bei allem Meckern über die
bescheidenen Strukturen in der Altenhilfe, die zurecht geführt werden, wird aber auch schnell ausgeklammert, das gerade Altenheime nicht gerade riesen Budgets haben, um den Personalschlüssel
anders zu gestalten. Dieser ist wortwörtlich der Schlüssel zu einer guten, dem Menschen zugewandten Betreuung. Jetzt könnte man sagen: Dann ist es doch toll, dass über dieses Projekt mehr
Menschen beruflich in die Altenhilfe geschickt werden. Ich vertrete da eher die Gegenposition und halte dieses Vorgehen für zutiefst zynisch. Wenn eine Gesellschaft wünscht, dass ihre alten
Menschen würdevoll ihre letzte Lebensetappe gestalten können, so muss sie auch die entsprechenden Gelder dafür zur Verfügung stellen. Diese Gelder sind vorhanden, aber falsch verteilt.
Fazit: Diese Entprofessionalisierung wird den oft fragwürdigen Status der Altenarbeit weiter forcieren. Besserungen werden nur durch umfassende Reformen, mehr Geld und eine zunehmende
Professionalisierung der entsprechenden Sozialberufe erfolgen können. Alles andere ist Illusion...
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