
In dieser
Serie, die ich hier unregelmäßig, aber mindestens einmal im Monat, veröffentlichen möchte, geht es mir nicht um Traditionsvereine, wie bspw. Schalke oder Dortmund, die heute noch
sehr erfolgreich Im Spitzenfußball vertreten sind. Ich werde mich vielmehr auf Vereine konzentrieren, die bspw. in den Oberligen nach dem 2. Weltkrieg ein dauerhafter Bestandteil waren bzw.
vielleicht auch in der für mich goldenen Zeit der 2. Liga in den 80er Jahren vertreten waren. Ergo um Vereine, die heute eher in den Amateurklassen zu finden sind bzw. langsam wieder auf
aufsteigendem Ast sind, wie bsp. Darmstadt 98, Waldhof Mannheim, Wormatia Worms, Schwarz-Weiß Essen, Rot-Weiß Oberhausen usw. Dem ein oder anderen Verein der ehemaligen DDR werde ich mich dabei
ebenso widmen. Die Infos werde ich aus verschiedenen Internetquellen zusammentragen und versuchen ein möglichst interessantes Kurzportrait über den Verein zu verfassen. Beginnen möchte ich, als
Dank für den Ideengeber dieser Serie, aber auch weil es der Verein verdient hat, mit Viktoria Aschaffenburg.
Gründung: Viktoria Aschaffenburg wurde 1901 als der FC Aschaffenburg gegründet. Ein Jahr später erfolgte die Gründung des FC Viktoria Aschaffenburg. Diese beiden Vereine
fusionierten unter dem Namen des letztgenannten Vereins, bis schließlich 1906 die Namensänderung in SV Viktoria Aschaffenburg 01 erfolgte. Was hier so provinziell daher kommt, war zum
damaligen Zeitpunkt Standard in der deutschen Fußballlandschaft. Die meisten Vereine, wie diese Serie zeigen wird, hießen zum offiziellen Gründungsdatum meist anders und die heute bekannten
Namen entstanden zumeist aus Namensänderungen durch bspw. Fusionen mit anderen Vereinen.
Sportliches: Die Sportstätte am Schönbusch, wird seit dem Jahre 1909 genutzt, wurde im zweiten Weltkrieg zerstört und konnte erst ab dem Jahre 1946
wieder genutzt werden. Das Interessante an der Viktoria ist ja, dass sie als bayerischer Verein derzeit in der Oberliga Hessen spielen. Das geht schon auf die Gründung des
hessischen Fußballverbandes im selben Jahre der Wiedereinweihung des Stadions zurück. Damals war die Viktoria Gründungsmitglied dieses Verbands. In erster Linie resultiert dies aus
geographischen Gegebenheiten. Aschaffenburg liegt nur einige Kilometer von Hessen entfernt und hat entsprechend günstigere Anfahrten zu den dortigen Gegnern, als dies in Bayern der Fall wäre.
Insofern lässt sich die Viktoria als integraler und wichtiger Bestandteil des hessischen Nachkriegsfußballs bis in die heutige Zeit bezeichnen. Negativ für den Verein selbst: Die Medien in Bayern
ignorieren ihn und in Hessen ist die mediale Akzeptanz leider auch nicht allzu hoch, was durch die Verpflichtung von Andreas Möller eine kleine Besserung erfahren hat.
Was heute nicht mehr allzu bekannt ist: Die Viktoria war zwischen 1946 und 1960 insgesamt 10 Jahre in der höchsten deutschen Spielklasse, in ihrem Falle der Oberliga Süd. zugegen.
Nachfolgend die Platzierungen in dieser Spielklasse, sicherlich der erfolgreichsten Zeit des Vereins, im Einzelnen:
1946/47: 13. (von 20 Teams), 68:111 Tore, 33-43 Punkte
1947/48: 17. (von 20 Teams), 46:88 Tore, 25-51 Punkte
1951/52: 11. (von 16 Teams), 45:70 Tore, 28-32 Punkte
1952/53: 12. (von 16 Teams), 59:74 Tore, 28-32 Punkte
1953/54: 16. (von 16 Teams), 44:82 Tore, 20-40 Punkte
1955/56: 5. (von 16 Teams), 61:45 Tore, 35-25 Punkte
1956/57: 8. (von 16 Teams), 44:54 Tore, 27-33 Punkte
1957/58: 11. (von 16 Teams), 51:54 Tore, 26-34 Punkte
1958/59 14. (von 16 Teams), 43:69 Tore, 22-38 Punkte
1959/60: 15. (von 16 Teams), 43:73 Tore, 21-39 Punkte
Bis Anfang der 80er Jahre bewegte sich die Viktoria dann in den Niederungen des deutschen Amateurfußballs. Die Oberliga war da ihre Paradeklasse, die mittlerweile aber Drittklassigkeit
bedeutete. Eine Folge der Ligenreform, die zur Saison 1963/64 griff. Einmal gelang es der Viktoria Teil der Regionalliga Süd zu werden (70/71), was damals der heutigen zweiten
Bundesliga entsprach.
In den schon angesprochenen 80er Jahren befand sich die Viktoria insgesamt 3 mal in der zweiten Bundesliga. 1984/85 mussten sie sich in einer Aufstiegsrunde für Diese qualifizieren und
setzten sich gegen den SV Sandhausen, den FSV Salmrohr und die SpVgg Bayreuth durch. Dem Unterhaus der Bundesliga gehörten sie dann zwei aufeinanderfolgende Jahre
an. 1988 qualifizierten sie sich ebenso wieder für die Aufstiegsrunde und stiegen zusammen mit Mainz 05 in diese Klasse auf, um aber auch direkt wieder in die Oberliga Hessen
runterzugehen.
In den darauffolgenden Jahren, konnte man nur noch 1992 an die Tür zur zweiten Liga klopfen und Ende der 90er an die Tür zur Regionalliga. Finanziell war der Verein in dieser Zeit, was bis heute
gilt, sehr angeschlagen. Zwischenzeitlich war die Viktoria sogar eine Saison in der 5. Spielklasse (Landesliga Süd) wiederzufinden.
Mit der Verpflichtung von Andreas Möller zu dieser Saison wurden die Weichen aber neu gestellt. Der Name Möller zog wieder mehr Zuschauer ins Stadion und der Vorjahres-Erfolg, der sehr
überraschend war (2. Platz), wird voraussichtlich dieses Jahr mit der Erreichung der Qualfikation zur neuen Regionalliga bestätigt werden. Sollte dies auch mit einem entsprechenden Sponsoring
einhergehen, dürfte sich die Viktoria dort über die nächsten Jahre etablieren können. Die 3. Bundesliga ist sicherlich derzeit und auch absehbar eine Nummer zu groß für die Aschaffenburger. Eine
bedeutende Stellung im süddeutschen Halbprofifußball, könnte der Verein aber wieder einnehmen.
Erwähnenswert ist sicherlich noch, dass die Viktoria bekannte Spieler und heutige Trainergrößen, wie Felix Magath oder auch Rudi Bommer hervorgebracht hat.
Als Fan des SV Darmstadt 98, freue ich mich immer wieder über die Derbys gegen die Viktoria, die einfach schon aufgrund ihres Namens ein lohnenswerter Gegner ist und uns 1998/99 in der Oberliga
Hessen einen packenden Meisterschaftskampf geliefert hat.
Dem Verein ist zu wünschen, dass meine positive Prognose eintritt. Eine Bereicherung wäre der Verein allemal...
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