Das letzte Saisonspiel der Lilien steht erst am 06.06. an, da aber einige sportliche Entscheidungen schon gefallen, aber ebenso auch andere Weichenstellungen für die Zukunft auf dem Weg sind,
möchte ich an dieser Stelle schonmal eine erste Saisonbilanz ziehen. Diese Bilanz möchte ich in drei Kategorien ziehen und dabei auch die aktuelle Diskussion, die Rege im Blog der Frankfurter
Rundschau geführt wird, integrieren.
Sport
Die Vorzeichen vor der Saison waren denkbar schlecht. Die Priorität des Vereins lag zu diesem Zeitpunkt eindeutig darin, die Insolvenz abzuwenden. Entsprechend fiel der Etat nur genauso hoch, wie
in der Vorsaison aus. Offizielle Zahlen wurden nie genannt, allerdings dürfte der Etat bei ca. 600.000 Euro angesiedelt sein. Der Stamm der Mannschaft, die im letzten Jahr Meister der Oberliga
Hessen und Hessenpokalsieger wurde, konnte entsprechend nur ergänzt werden. Mit Sebastian Glasner und Michael Anicic verließen zwei Schlüsselspieler des vergangenen Jahres gar den Verein. Die
Umstände möchte an dieser Stelle erstmal bzw. ganz außen vorlassen. Die Mannschaft schlug sich bis zur Winterpause recht wacker und konnte sich in der ersten Tabellenhälfte festsetzen. Nach der
Winterpause erfolgte allerdings ein gravierender Einsturz, der bis heute anhält. Der Abstand zu einem Abstiegsplatz beträgt nur noch 2 Punkte. Der Abstieg ist allerdings nicht mehr möglich:
Unterhaching II ist bereits abgestiegen, Großbardorf hat keine Lizenz beantrag und der unterfränkische Traditionverein Viktoria Aschaffenburg hat vor ein paar Tagen bekannt gegeben, sich aus
finanziellen Gründen aus der Regionalliga zurückziehen zu wollen. Woher der rapide Absturz nach der Winterpause kam, ist nur schwer an konkret nachvollziehbaren Punkten festzumachen. Gerhard
Kleppinger kündigte zum Beginn Rückrunde an, dass er aufgrund fehlender sportlicher Perspektive den Verein verlassen wolle. Er wird zur neuen Saison Co-Trainer beim Zweitligisten FSV Frankfurt.
Nach dieser Ankündigung brach die Leistung der Mannschaft ein, wie es oft der Fall ist, wenn ein Trainer sein Gehen verkündet. Allerdings wurde auch beim neuen Trainer Zivojin Juskic die schwache
Leistung konserviert. Bezüglich der finanziellen Zukunft des Vereins, dürften die Sorgen der Kicker mittlerweile auch deutlich zurückgegangen sein. Auf diesen Punkt möchte ich aber noch eingehen.
Gemunkelt wird, dass vor allem der sportliche Leiter Tom Eilers an dieser Misere Schuld trage. Darauf gehe ich aber unter "Fans" nochmal genauer ein. Zumal mir dafür Beweise fehlen. Schlussendlich
tragen zwar Trainer Kleppinger und der sportliche Leiter die Verantwortung für die Zusammensetzung des Teams, allerdings ist auch Letzteres in die Pflicht zu nehmen. Hans Kessler tat dies heute mit
einer Pressemitteilung seitens des Vereins, die verdeutlicht, dass alle Vertragsgespräche bis zum Saisonende auf Eis lägen, da man den sportlichen Klassenerhalt noch erreichen und entsprechend
schauen wolle, auf welche Spieler man sich verlassen könne und auf wen nicht. Sehr gute Entscheidung!
Finanzen
Bis zur außerordentlichen Mitgliederversammlung am 29.05. sollen alle Weichen für die Rücknahme des Insolvenzantrags gestellt sein. Die "Ehemals-Handelnden" haben mittlerweile auch ihren
finanziellen Beitrag hierzu abgegeben. Hier kann man dem aktuellen Präsidium nur das Attribut "herausragend" verleihen.
Fans
Aus meiner Sicht ein wenig das Sorgenkind des Vereins. Die Liga ist reichlich unattraktiv, so dass entsprechend weniger Fans als erwartet an das heimische Böllenfalltor pilgern. Auch ich bin nicht
mehr regelmäßig vor Ort, was aber hauptsächlich mit meiner Fernbeziehung zu tun hat, die natürlich eindeutig Vorrang vor dem Fußball besitzt. Darüberhinaus droht das "Wir", das es in den Monaten
nach dem Insolvenzantrag gab und schlussendlich auch der Grundstein für die Rücknahme sein wird, zu zerbrechen. Der Darmstädter Anhang war sich nie richtig einig, ist aber in Krisenzeiten immer
zusammengerückt. Dies ist seit der Labbadia Ära aber nicht mehr der Fall. Die Auswärtsfahrer werden immer weniger, was unter anderem mit dem sinnfreien Dauergesang der Ultras zusammenhängt, aber
auch mit der Leistung des Teams, der fehlenden sportlichen Perspektive (kurzfristig zumindest), der Attraktivität der Gegner und der Tatsache, dass das vorherige Präsidium extrem viel Kredit
verspielt hat. Aktuell spaltet sich die Szene in Fans, die mittlerweile sogar den Präsidenten angreifen, aber zumindest den sportlichen Leiter gerne mit dubiosen Unterstellungen in die Wüste
schicken würden und derer, die die Situation realistischer einschätzen. Ich bin wahrlich kein Freund von Tom Eilers, allerdings muss man auch immer den Kontext beachten, in dem er mit Gerhard
Kleppinger zusammen ein Team für die laufende Saison zusammenstellen musste. Wie da bspw. ein Weggang von Anicic zu Stande kam, kann ich nicht beurteilen. Leider gibt es viele Fans, die meinen dies
tun zu können. Ich sehe diesen Transfer ebenso kritisch, allerdings habe ich für gewisse Hypothesen keinerlei Beweise, so dass ich mit Einschätzungen entsprechend zurückhalte. Das würde vielen Fans
ebenso gut zu Gesicht stehen. Ich denke und hoffe, dass mit einer anderen sportlichen und finanziellen Perspektive, ebenso mit den richtigen Weichenstellungen am Ende dieser Saison (da habe ich
durchaus Wünsche, die ich aber an dieser Stelle nicht äußern möchte), wieder eine größere Einigkeit bzw. Einheit unter den Fans entsteht. Mehr Fans am Bölle wären da ein schönes Zubrot!
Fazit
Alles in allem eine wechselhafte Saison, die unterm Strich allerdings durchaus erfolgreich gestaltet wurde: - die Mannschaft hat den Klassenerhalt geschafft - die Lilien stehen abermals im
Hessenpokalfinale - der Insolvenzantrag kann zurückgenommen werden Dafür meinen Dank und Respekt an alle Verantwortlichen!
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